Schwarzes Meer 2025

Reise ins Unbekannte

17. bis 25.
JUNI
2025

Dreimal Schwarzes Meer - Hin und Zurück

Nach unserer anspruchsvollen Tour ans Nordcap wollten wir es in diesem Jahr etwas ruhiger angehen lassen. Eine Woche hatten wir uns ausgedacht - nicht länger. Auf der Suche nach einem passenden Ziel sind wir schließlich auf den Osten gekommen - wenn schon nach Osten, dann mindestens bis ans Schwarze Meer. Ein Meer hat immer so etwas wie ein richtiges Ziel - es geht dann nicht mehr weiter.

Es sind dann doch gute 2000 Kilometer einfach - aber wenn wir schon mal dran sind, .....

Die Tour hat in diesem Jahr einen anderen Reiz. Mit Deutschland durchqueren wir 8 Länder. Die Tagestouren enden immer in den Hauptstädten - fast immer. So haben wir uns mit der Zeit mit den etwas längeren Tagesstrecken angefreundet und die Planung hat Fahrf aufgenommen.

Mitte Juni geht's los - wieder zu dritt in der bewährten Besetzung vom letzten Jahr.

Tag 1
17. Juni
2025

Elpersheim - Zagreb 790 km

Der erste Tag ist rumm – wir sind fast pünktlich um 7.00 Uhr in Elpersheim losgefahren. Matthieu aus Frankreich ist bereits seit Sonntag unterwegs. Das Tagesziel ist, dass wir uns in Zagreb im Hotel treffen – zu anständiger Zeit gegen fünf.

Zur Autobahn nach Nürnberg boten sich uns drei Wege dar. Wir wählten den, der noch nicht beschritten war – über den Tauberursprung nach Schnelldorf. Dort war aber die Autobahnauffahrt gesperrt und der Zeitplan schon mal beim Deifel. 

Der erste Tankstopp war zwischen Nürnberg und Regensburg. Wir tanken nicht auf der Autobahn bei 2,30 Euro – sind wir denn bekloppt ?  Also runter auf den Rasthof und für 1,75 getankt. Überhaupt ist das ja ein zunächst einmal unverständlicher Preisunterschied. Vielleicht ist das aber auch die versteckte Autobahnmaut, um die Milliarde, die der Scheuer-Andi versaubeutelt hat, wieder reinzuholen – also dann - wir sind ja schließlich in Bayern.

 Nach langen Kilometern auf Deutschlands Autobahnen kommen wir nach Österreich. Der Asphalt scheint hier irgendwie leuchtender zu sein - so ganz anders. Man fühlt sich gleich beschwingt, wie wenn einem Flügel wachsen würden. Es liegt vielleicht auch an dem Pickerl – 4,90 für zwei Räder und 10 Tage. 

Nach dem nächsten Tankstopp bei Wels für 1,48 – mit Vesperpause – ging es langsam in die Berge. Zahlreiche Tunnel sorgten für Abwechslung und die permanenten 110 km-Begrenzung für die Konzentration – immer schön den Tacho im Auge behalten. Die unerwartete Mautstelle vor einem längeren Tunnel war quasi der Eintritt in die Steiermark – ist aber ok, weil hier die bergige Landschaft wirklich eindrucksvoll ist. Und man fährt flott in der Steiermark – so 150 scheinen normal. Kurz vor Graz kommt nochmals ein ganz längerer Tunnel mit Maut – jetzt ist aber gut mit 11,50 für zwei Räder. 

Als nächstes kommt Slowenien mit Maribor.  Die Durchfahrt ist nur ein kleines Stück von 80 Kilometern und wir fahren Landstraße – auch weil die Maut nur pauschal online gebucht werden kann ( ohne uns ). Das war ein weißer Entschluss, denn Slowenien entpuppte sich als grün-harmonisches Land mit gut ausgebauten Straßen – Nachahmung empfehlenswert.  Direkt vor der Grenze nach Kroatien war dann die Auffahrt zur Autobahn nicht ganz legal – aber Schwamm drüber.  

Jetzt aber draufundlos nach Zagreb – die restlichen 70 Kilometer in Windeseile. Wir waren dann doch noch einigermaßen im Zeitplan mit halb sieben, weil Matthieu aus Frankreich – seit Sonntag unterwegs – noch nicht sehnsüchtig auf uns wartete. Hotel – ganz schnell – und ab in die Stadt. Zagreb ist eine durchaus sehenswerte Stadt mit geschichtlichem Hintergrund. Hiervon zeugen viele historische Gebäude – selber googeln. Wir hatten jetzt erst mal Hunger – und Durst.

Wir haben übrigens auf der Autobahn eine Wette angezettelt: wer als letzte vor dem Schwarzen Meer ein TBB-Kennzeichen entdeckt, gewinnt eine Runde – MGH zählt ausdrücklich nicht. Ernst hat kurz nach Wels einen blauen Passat entdeckt und liegt damit aktuell in Führung.

So ein langer Fahrtag ist natürlich nichts für jeden und erfordert äußerste, unmenschliche Konzentration  und ist darüberhinaus ungemein gefährlich. Deswegen geben wir unseren lieben Daheimgebliebenen den gut gemeinten Rat: „ Bleibt dahoam und foahrt net in de Weldgschicht rum“. 

 

Tag 2
18.  Juni
2025

Zagreb - Belgrad 460 km

Zagreb hat sich als ein guter Gastgeber erwiesen: Hotel prima, Essen prima, Bier 3,60 für  0,5 – auch prima.

Es geht weiter kurz vor 9 nach einem ausgiebigen Frühstück. Raus aus Zagreb geht es immer der Sonne nach – Richtung Osten. Es waren allerdings mindestens 30 km mit Stadt an Stadt. Zagreb hat 750 Tausend Einwohner und alle wohnen an dieser Straße.  So hat sich das ganz schön gezogen bis wir in der Bezirkshauptstadt Virovitica offenes Terrain erreicht haben – erst mal Pause nach drei Stunden und 130 km. Es tauchen dann endlich die Schilder mit den Schlangenlinien auf – Kurven, Halleluja. Wir kommen dann nahe an die Donau – Richtung Osijek. Immer noch sind alle Häuser an der Durchgangstraße. Man muss da ständig aufpassen, ob jemand rausschießt oder rein will und den Verkehr ruckartig stoppt – irgendwie sind die  50 kmh doch sinnvoll für Ungeübte. 

Nach Osijek kommt die Grenzstadt Vukovar, die im Balkankrieg leider eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, Auf der anderen Donauseite liegt Serbien und die haben mächtig rübergeballert – deutliche Spuren sieht man immer noch. Von dem vielen Leid, das damals verursacht wurde, sieht man heute nichts mehr. Pause, Pizza – mittlerweile haben wir weit nach drei. 

Es ist jetzt nicht mehr weit bis zur Grenzstadt Ilok und einem kleinen aber strengen Grenzübergang nach Serbien. Zweimal wurden die Ausweise und Fahrzeugpapiere kontrolliert – mit der zweiten Dame war offensichtlich nicht gut Kirschenessen. So wir Ihr Gesichtsausdruck waren dann auch die Straßen – fürchterlich. 

Matthieu meinte, die sind fast wie in Deutschland – beide.  Ernst und Wilfried lassen das nicht so stehen. Auf jeden Fall wird die Landschaft hügeliger und motorradfreundlicher. Novi Sad ist dann nochmal ein Stauschwerpunkt. Dann geht es aber zügig auf der Bundesstraße nach Süden in Richtung Belgrad – wenn nur die se komischen Schriftzeichen nicht wären. Man braucht  da schon ein bisschen Fantasie. Natürlich kommen wir wieder später als geplant am Tagesziel an – aber was soll`s. Unser Hotel Kings Palace ist direkt an der weltberühmte Sankt Markus Kathedrale – ein absolutes Must-Have-Seen. Dann haben wir hier noch das Parlament und das Gerichtsgebäude – un den Bierpreis von 3,40 pro halber Liter. 

Übrigens: Matthieu will bei unserer Wette mit machen, findet es aber ungerecht, dass MGH nicht zählt – mein Gott, jetzt ist das halt mal so. Wilfried hat in Zagreb einen grauen Skoda mit TBB entdeckt und führt ab jetzt. Mal sehen, was noch kommt.

“Šta god da se desi, oslanjaj se na sebe”

 

Tag 3
19 Juni
2025

Belgrad - Sofia 460 km

Um es vorwegzunehmen, heute war nicht ein planmäßiger Motorradtag. Es wird langsam ziemlich warm unter der Motorradkluft – irgendwie Steppenklima. Deswegen beschließen wir, die ursprünglich geplante Strecke an der Donau entlang ins Landesinnere – damit in die vermeintlichen Berge u verlegen . also nicht nach Osten raus aus Belgrad, sondern nach Südosten – Richtung Alvala. . Heute war Fest in Belgrad und die Straße war gesperrt – also nach Süden raus und später über Land Spange zurück auf die neue Route auf die Bundesstraße 149. Überhaupt haben wir nach den gestrigen Erlebnissen gelernt, nur die roten Straßen zu benutzen – eventuell gelbe, aber nicht weiße.

Dieser Entschluss hat sich aus zweifacher Hinsicht als richtig erwiesen. Erstens ging es wirklich in die Berge und zweitens weg vom Verkehr. Wir sind dann später doch wieder auf einer klitzekleinen Straße gelandet ( Kunststück ) und gleich morgens zum Spanferkel vom Grill eingeladen worden – doch noch zu früh, aber die hatten 8 Stück in Vorbereitung. 

Zu Mittag waren wir dann erst in Smed Palanka und warn noch nicht wirklich weit gekommen, Bis dahin hatten die Serben wirklich Pluspunkte gesammelt; die Straßen wurden zusehends besser und der Verkehr geringer – es fehlten noch die Kurven. Die kamen dann auf der Straße 160 in Richtung Bor. Hier ging es wirklich über Berg und Tal  - teilweise an einem Fluß entlang. Hier fühlten wir uns wohl – dazu noch ein verlassenes Kloster in den Bergen: Motorradfahrerherz, was willst Du mehr. Wir haben dadurch ganz die Zeit hnd die Kilometer nach Sofia vergessen – egal, leb im Jetzt und Hier.

Wir mussten uns dann irgendwann doch auf die Socken machen - Motorradfahrerherz hin oder her – und uns auf die Socken machen. Dazu kommt, dass wir mittlerweile 1500 Kilometer nach Osten gefahren sind – es wird bereits ab 8 Uhr unserer Zeit dunkel. Dazu hat Bulgarien – die EU hat uns wieder – eine andere Zeitzone. Es war also in Sofia fast zehn Uhr abends, als wir angekommen sind. Jetzt noch einen Platz zu Essen – Bier bekommt man immer ( Sofia: 3,20 pro 0,5 ) -  und wir sind gerettet. Ein Junger Mann hat in der Fußgängerzone den Koch nochmals aktiviert – gut gemacht - egal was, Hauptsache, noch etwas zu essen.

Unsere Wette nimmt langsam Fahrt auf. Wir erhalten jede Menge Zuschriften. Die meisten tippen auf Ernst, den Fuchs. Matthieu hat heute in Sofia einen bulgarischen LKW gefunden, der tatsächlich die Buchstaben TBB auf seinen Nummernschild hat – dazu noch links und rechts verteil – geht* noch? Immerhin hatten wir das nicht ausgeschlossen. Damit führt Matthieu jetzt ( trotz langer Diskussion )  - mal sehen wie das noch weitergeht.

Morgen haben wir ausführlich Zeit , Bulgarien und seine Straßen kennzulernen – das wird gut.

„утре е нов ден“

 

Tag 4
20. Juni
2025

Sofia - Warna 500 km

Der neue Tag beginnt wie der alte aufgehört hat – alles easy in Bulgaria. Das  Team vom Hotel Art Plaza hat uns ein prächtiges Frühstück serviert. Die Ausfallstraße aus Sofia haben wir sofort gefunden – ab in den Osten auf der Bundestraße 6 ( das ist ein rote Straße ). Der Verkehr ist mäßig und niemand hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen – also nichts wie hinterher, eyho was geht. Bei Kalofer machen wir dann erstmal Rast mit unserer  Bratrwurscht vom Schwäbisch Hällischen Schwein. 

Anmerkung: Wir müssen später weiterschreiben. Es ist gestern recht spät geworden - das ist immer so am Ziel. 

Wo waren wir stehen geblieben – ach, ja: Kalofer. Das ist die Heimatstadt von Hristo Botev, einem bedeutenden bulgarischen Dichter und Befreiungskämpfer. Im zu Ehren wurde eine riesiges Statue am Hang errichtet – schon beeindruckend. Nach dieser Geschichtsstunde geht’s weiter bis Sipka und dort ab nach Norden über den Sipka-Pass – zwar nicht besonders hoch, aber eine geniale, kurvige Abwechslung, die es in sich hat. 

Bei Veliko Tarnovo kommt wieder der Schwenk nach Osten in Richtung Meer. Mittlerweile ist es schon wieder spät geworden und wir lassen uns vom fließenden Verkehr mittreiben. Kurz vor Varna nimmt der Verkehr zu und wir wechseln auf die parallel verlaufende Autobahn. Außerdem ist unser Hotel weiter südlich und wir müssen die Autobahnbrücke über die Bucht nehmen. Das Hotel liegt versteckt – ohne Navi sehr, sehr schwierig zu finden ( ebenso wie die Hotels in den Großstädten ). Das Meer sehen wir erst im letzten Augenblick und wir haben einen richtigen Geheimtipp entdeckt. Das Albizia Hotel ist super, das kleine Restaurant nebenan ist super – wir essen Muscheln und Fische vom Tagesfang ( kleine und ganz kleine Fische ). Der Bierpreis liegt bei 2,50 pro 0,5 – auch super. So erleben wir einen runden Abend am Meer. Grüße gehen in diesem Zusammenhang an unsere Zimmernachbarn Martin und Jülie  aus Berlin bei Potsdam – die beiden waren nicht ganz unschuldig daran, dass es etwas später wurde.

Ach ja, unsere Wette – die läuft allmählich aus dem Ruder. Nach dem gestrigen Auftritt von Matthieu haben wir den ganzen Tag nach Kennzeichen gesucht – fast wie beim Scrabble. Das Motorradfahren wurde fast zur Nebensache. Auch bekommen wir aus der ganzen Welt Bilder von Autokennzeichen – Timbuktu, da lachen ja die Hühner. So kann das nicht weitergehen. Wir beschließen, dass nur noch deutsche Kennzeichen gelten. Da deutet Ernst auf das Nummernschild von Wilfried – TBB direkt am Hotel. Nach langem Hin und Her schien doch alles klar. Die Rechnung war allerdings ohne den Koch, denn Wilfried hat am Abend sein Motorrad noch 20 m näher an den Strand geschoben,  sicherheitshalber doppelt an den Laternenmast gekettet, damit keiner die Karre ins Meer schmeißt – zuzutrauen wäre es beiden. Letztendlich haben wir uns auf Unentschieden geeinigt. Jeder zahlt eine Runde und jeder bekommt eine – oder so ähnlich. Bei der Rückfahrt muss das genau geregelt werden. 

Punkt, aus die Maus.

 

Tag 5
21. Juni
2025

Warna - Bukarest 420 km

Tag 5

Heute beginnt eigentlich unsere Rückfahrt. Wir  verlassen Bulgarien, das wir in sehr guter Erinnerung behalten und setzen über nach Rumänien. Es sollte eigentlich ein relativ gemütlicher Fahrtag werden, aber – wieder vorweg genommen – es wird wieder genauso lang wie immer. 

Wir müssen zunächst wieder durch Varna – über die Brücke usw. – in Richtung Norden. Dort liegt auch der berühmte Goldstrand, den wir rechts liegen lassen, denn unser nächstes Ziel ist Constanza. Die Fahrt dahin verläuft wenig spektakulär. Es war auffallend viel Polizeipräsenz am Straßenrand – vermutlich zur Geschwindigkeitskontrolle. Wir werden jedes Mal mit einer entgegenkommenden  Lichthupe gewarnt – vielen Dank dafür - und kommen ungeschoren  durch. Der Grenzübertritt war unmerklich – Durchwinken. Die Straße führt am Meer entlang, wobei man selbiges leider nicht sieht. Die berühmten Strände von Constanza liegen südlich davon und haben witzigerweise alle Planetennamen wie Neptun, Jupiter und Saturn -  ein witziges Völkchen die Rumänen. Wir haben mal versucht, da hinzufahren, aber man muss da schon genau ein Schlupfloch finden und den Massen mit Sonnenschirm und Kühlbox zu Fuß folgen. Constanza ist doch etwas größer als gedacht und verkehrstechnisch etwas unübersichtlich. Im Vorort Mamaia – weiter nördlich – haben wir dann ein geeignetes Plätzchen für eine ausgiebige  Mittagspause gefunden. Es gab einen gesunden Salat.

Jetzt ist natürlich wieder der halbe Tag rum und es sind noch 260 km bis Bukarest – und wir wollten doch heute früher ankommen, weil Bukarest, Altstadt. Wir haben dann die Bundesstraß E60 erreicht und fahren zum ersten Mal in Richtung Westen – nach Hause. Die Straße ist sehr gut ausgebaut und führt überwiegend gerade durch ebenes fruchtbares Ackerland – Getreideernte in vollem Gange. Dazwischen sind langgezogene Ortschaften mit eigentlich 50 kmh-Begrenzung. Es hält sich  niemand daran, also wir auch nicht – Anpassung an die örtlichen Gepflogenheiten. 

Bei Härsova führt eine Brücke über das sich verzweigende Donaudelta – sehr beeindruckend. Vor der Brücke ist eine Mautstelle, bei der wir einfach durchgewunken werden – löblich aber eigentlich schade, weil wir im Gegensatz zu Bulgarien ein paar Banknoten in Landeswährung Lei haben – übrig von unserer letzten Karpatentour vor 13 Jahren. Slobozia ist die nächste größere Stadt und Zeit für eine Tankpause – 1,45 pro Liter – und die übliche Capucino-Pause. Es geht dann schon wieder in den Abend, aber was soll’s – wir haben ja vorgebucht. Den Weg nach Bukarest zu finden ist Aufgabe von Wilfried – mit der guten alten Straßenkarte - , da Hotel zu finden ist Aufgabe von Matthieu – mit dem guten neuen Navi. 

Das klappt auch ganz gut: Einchecken und ab in die Altstadt – zu Fuß. Hier ist tatsächlich der Bär vom Pflock. Die Durchgangsstraßen wurden extra gesperrt. Um Platz für die vielen Fußgänger zu machen – es ist immerhin Samstagabend. Wir haben sehr gut gegessen und getrunken – 6,50 für 0,5 Liter Bier – angemessener Altstadtpreis. Irgendwann dann zurück ins Hotel.

Wir haben uns dann auf die Sache mit der neuen Wette überlegt. Klar, dass wir das nicht so stehen lassen können – ist ja peinlich. Auf der Rückfahrt zählen nur deutsche  KFZ-Kennzeichen, die eigenen Fahrzeuge gelten nicht und der Fund muss von 2 Personen bestätigt werden. Damit sind die Chancen von Wilfried gleich Null, weil Ernst und Matthieu immer zusammen halten. Die beiden haben auch durchgesetzt, dass MGH auch gilt – geht schon los. Der erste Fund gewinnt – TBB und MGH am Anfang zusammenhängend – wohlgemerkt. Damit müsste jetzt alles klar sein und es kann geordnet losgehen. 

Wir bedanken uns bei allen fürs Mitmachen und die netten und guten Wünsche

„Când sună ursul, nu deschide”

 

Tag 6
22. Juni
2025

Bukarest - Deva 420 km

Gut gelaunt starten wir pünktlich los aus Bukarest. Übernachtung  und Frühstück im Ibis Style waren unseren mittlerweile gestiegenen Ansprüchen gerecht. Ernst hat allerdings bemängelt, dass an der Terrassentür außen ein Griff fehlt zum Zuziehen – absoluter Murks, sagt  er. Wir haben provisorisch die Seifenschale aus der Dusche angeschraubt. Bei Alu ist da kein Problem, sagt Ernst – die paar Löcher.

Also,  auf geht’s raus aus Bukarest. Die meisten Städte, die wir bis jetzt kennen gelernt haben sind sternförmig aufgebaut. Wenn man einmal die richtige Ausfahrt erwischt hat , geht es ruck-zuck. Bei uns hat es gut geklappt – Dank Matthieu – und wir finden die Bundesstraße 7 nach Piteski. Das Gelände steigt langsam an und wir spüren, dass das heute ein schöner Motrorradtag wird. Der Verkehr läuft flott – trotz üppiger Polizeipräsenz. Uns ist aufgefallen, dass in Rumänien die Zebrastreifen extrem ernst genommen werden. Immer wenn ein Fußgänger in der Nähe ist – Alter und Geschlecht egal -  gehen die voll in die Eisen. Das kann schon mal zu einem Stau führen, aber so langsam passen wir uns auch hier an. Auch in Rumänien fallen die Kirchen in den kleineren Städten auf – innen sind sie meist recht schlicht eingerichtet. Piteski lassen wir liegen und machen Mittagspause in Draganu – einem dieser kleinen Orte. In einem kleinen Laden bekommen wir alles, was wir brauchen: Brot, Schinken, Käse, Kaffee und Unterhaltung mit den Einheimischen ( etwas begrenzt wegen der Sprachbarriere ). 

Es gibt auch noch die Pferdekarren – wenige, aber es gibt sie noch. Das nächste Etappenziem heißt Ramnicu Vaccea – es geht langsam wieder in die Karpaten. Es kommen uns auch immer mehr Motorräder entgegen -  ein sicheres Zeichen, dass wir richtig liegen. Wir müssen uns nur an den LKW’s vorbeimogeln – auch am Sonntag - , dann geht`s perfekt voran. Ab Vaccea nimmt der Verkehr zu und wir biegen ab auf eine kleinere Straße nach Petrosani. Jetzt haben wir es perfekt erwischt: vorbei an Bergen und Täler und Flüssen und Seen – jede Menge Motorradfahrer. Es gibt hier auch einen Ski-Alpin- Lift und ein perfektes Plätzchen für die Capuccino-Pause.

Bis Petrosani wird die Straße dann schlechter, aber das tut dem Gesamteindruck kaum einen Abbruch – auch die Motorradfahrer lassen nach, was irgendwie komisch ist. Bei  Petrosani kommen wir dann wieder auf die gut ausgebaute Bundesstraße 66 – witzig ! Nach schöner Schlussrunde kommen wir in unserem Hotel in Hunedoara an – zur Abwechslung mal abseits. Das Hotel Krystal ist der perfekte Gastgeber nach einem runden Tag – Zimmer, Essen, Service sehr gut ( Bierpreis: 2,00 für 0,5 ) . Andrea hat uns zum Abschluss einen ( sehr ) dicken Wodka eingeschenkt – dann Schluss.  

Wir erhalten die ersten Meldungen zu unserer neuen TBB-MGH-Wette. Es hat sich auch der Scheuer-Andi gemeldet. Er will das für uns managen und hat bereits Verträge in unserem Namen abgeschlossen. Wir haben ihm gesagt, er soll das besser lassen – wir trauen dem nicht über den Weg – und dass er das dieses Mal selbst bezahlen muss, wenn es in die Hose geht – und das gehjt sicher in die Hose wie alles beim Scheuer-Andi.

„Bucura-te de aceastazi – nu te gandi ca zina urmatoare va fi mai buna” 

 

Tag 7
23. Juni
2025

Deva - Budapest 430 km

Schweren Herzens ( kein schwerer Kopf ) verlassen wir unser Hotel Krystal – Andrea wünscht uns nochmals eine angenehme Reise ( mit Tränen in den Augen )  - das liebe Ding. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss – weiter in Richtung Dürrewelle ( mittlerweile die 148. der Neuzeit In Deutschland ). Wir kommen wieder auf die E Sixty-Six in Richtung Arad. Eigentlich wollten wir es ein wenig gemütlicher angehen lassen, aber wir wurden gejagt  von den LKW’s – kein Witz. Wer nicht 100 fährt, hat die Dinger im Nacken. Wir sind dann hin und wieder abgefahren, um erstens Ruhe zu haben und zweitens Kirchen zu besichtigen. Die erste Basilika bei bei Biserica war ziemlich alt und nicht mehr in Betrieb. Das Kloster Maria Radna in Lipova hingegen war ziemlich neu und voll in Betrieb – innen vergleichbar mit Oberbayern. Kurz danach verlassen wir die Bundesstraße ( rot ) endgültig und wechseln auf die Landstraße ( gelb ) jn Richtung Siria. Gleich in der ersten Ortschaft Covasant sehen wir links und   rechts Gebäude mit Türmen und Säulen – wie in einer anderen Welt. Das geht so kilometerweit und sind nach ersten Recherchen Häuser der Sinti und Roma – erstmal schluck!. 

Bei Ineu kommen wir wieder auf die Bundesstraße und machen erst mal Pause. Wir kommen dann nach Ungarn, das uns prächtig empfängt mit geraden ebenen Straßen und 35 Grad – was will man mehr? Eigentlich sehnen wir uns nach den Bergen – unter uns. Wir wollen dann lieber zügig nach Budapest fahren – zum Kurze-Hose-Anziehen – machen aber sicherheitshalber immer wieder eine Pause – kühle Getränke, Pizza, Tabak ( was man halt so braucht ). Die Landschaft bleibt flach und es fällt auf, dass es sehr dünn besiedelt ist – hin und wieder ein kleines Dorf.  Es sieht trocken aus und sandig – vermutlich ist der Getreideertrag gering. Hin und wieder ist auch Wald vorrangig – ebenfalls eher rrobuste Kiefern. In Ungaren haben wir wieder unsere MESZ – bedeutet: 1 Stunde früher. Das passt, weil wir in Budapest noch in die Stadtmitte wollen. Unser Hotel ist leider ein bisschen davon entfernt und wir nehmen als bekannte Schnell-Checker die U-Bahn – nach dem Begrüßungsbier ( 3,50 pro 0,5 ). 

Wir fahren bis an die Donau und sehen auf der anderen Seite – in Buda – die mittelalterliche Fischerbastei, die alles überragt. Wir haben gut gespeist an der Donau und freuen uns auf die Weiterfahrt in Ungarn – nur die Straßen können etwas besser werden – bis jetzt ganz schlechte Note.

Unsere Wette hätten wir fast vergessen – wie auch. Wilfried hat heute alles auf eine Karte gesetzt und einen Fund geltend gemacht – mit Bild. Er musste allerdings recht schnell zugeben, das das Bild mit KI bearbeitet wurde – ausgerechnet das Nummernschild vom Ernst seinem Motorrad ( Anmerkung: der Dativ ist dem Genitiv sein Feind ) - saublöd. Wilfried wurde disqualifiziert – hätte eh keine Chance gehabt wegen den beiden anderen. Wir erhalten Infos, dass die Londoner Buchmacher mittlerweile 1247 für 1 zahlen, wenn Wilfried gewinnt. Wir sind mal gespannt, was passiert, wenn die von der Disqualifizierung Wind bekommen – Andi, mach Dich auf was gefasst.

Das Hotel in Bukarest bedankt sich für die Seifenschale. Sie finden das eine gute Idee und wollen das bei allen Terassentüren machen. Sie fragen, wo es die gibt – das sagen wi lieber nicht – sollen selbst darauf kommen.

„Jobban félj a naptól, mint az esőtől”  

 

Tag 8
24. Juni
2025

Budapest - Amtstetten 440 km

Wir starten in Budapest um 9.00 Uhr. Die Fluchtrichtung ist dieses Mal nach Nordwesten und wir finden die Ausfallstraße problemlos – Bundesstraße 10 nach Drobog. Die Temperatur war noch angenehm und wir fahren gemütlich und gut gelaunt über die breite Piste. Bei Drobog stoßen wir auf die Donau und schwenken nach Westen – donauaufwärts. Hin und wieder erhaschen wir einen Blick auf die Donau – immer dann, wenn die Bahnlinie links von uns ist. 

Bei Neszemely gibt es eine Fähre rüber in die Slowakei – nördliches Donauufer. Der Fährmann war allerdings nicht zu Hause, sonst hätten wir mit der Slowakei  unser neuntes Land sammeln können. Beim Beobachten des Schiffsverkehr fällt uns auf, dass auf der Donau kein Warentransport stattfindet – lediglich ein Touristenschiff kam vorbei. Bis Györ läuft die Straße an der Donau entlang – mal links, mal rechts von der parallel  verlaufenden Autobahn. Jede Überquerung bedeutet zwei Kurven – plus die Kreisverkehre. 

Die nächste Station ist Sopron. Kurz vorher sehen wir am Straßenrand eine lang ersehnte überdachte Terrasse mit Tischen und Stühlen – wir landen im Restaurant Babilo Etterem. Ohne lang zu fragen – oder nicht verstehen – bringt uns der Wirt das Tagesgericht – Nudelsuppe und Linseneintopf. Also rein damit und ab nach Österreich. 

Hier haben wir die Hauptstadt Wien bereits im Vorfeld ausgeklammert – wie hatten ja genug Großstädte. Ein  Arbeitskollege von Wilfried – selbst Österreicher – hat den Tipp gegeben, dafür lieber ab der Wiener Vorstadt über das Voralpengebiet zu fahren. Unser ewiger Dank sei  Robert gewiss, denn das war eine Superidee. Wir sind über den Rohrersattel und den Ofensattel – knapp an der Baumgrenze – durch herrliche Landschaften mit genauso herrliche Straßen gefahren. An einer Kreuzung mit dem Namen Kalte Kuchl ist ein großer Motorradtreff – da muss man unbedingt gewesen sein. Heute war ein normaler Arbeitstag und deswegen nur Rentner ( hoffentlich ) unterwegs – trotzdem voll. 

Es gibt im weiteren Verlauf noch mehr witzige Orte wie Trockenes Loch, Puchenstuben – kurzum: das Ötscherland ist für Motorradfahrer optimal. Erst ab Scheibbs erreichen wir die Ybbs und damit ebene Zonen bis zur Mündung in die Donau. Die Fahrt zu unserem Hotel wird dann nochmals abenteuerlicher, weil es hoch droben auf dem Berg liegt. Nach vielen Abzweigungen taucht der sagenumwobene Wallfahrtsort Kollmitzberg am dunstverhangenen Horizont auf – Feierabend sei gegrüßt.

Wir haben heute kein Wort mehr über unsere Wette verloren, weil das alles irgendwie schief läuft. Wilfried hat angeblich heute zwei Autos mit TBB-Kennzeichen gesehen, aber nichts gesagt, weil es eh keinen Sinn hat – er schmollt. Die Londoner Buchmacher drohen uns zu verklagen, wegen bewusster Wettbewerbsverzerrung. Deswegen machen wir jetzt folgendes: Wir brechen das ganze Ding ab, die Buchmacher sollen sich an den Scheuer-Andi wenden – wir haben`s gleich gesagt, das wird nix. Damit ist für uns die Sache erledigt – erst mal – und der Andi muss endlich mal für seinen Blödsinn einstehen. Dann wäre das doch noch etwas Gutes. 

Also, viele Grüße aus dem Mostviertel.

 

Tag 9
25. Juni
2025

Amtstetten - Elpersheim  460 km

Den letzten Morgen in der Fremde nutzen wir vor dem Frühstück für einen Rundblick und zur Besichtigung der Wallfahrtskirche, die der heiligen Ottilie gewidmet ist – die Statue steht innen in der Wand. Schaut man von dem Berghotel Alpenblick nach Süden – wo wir gestern hergekommen sind – blickt man auf den Oetscher, dem Hausberg der Region. Schaut man nach Norden – wo wir nachher weiterfahren – blickt man auf die Donau. Diesen Ort Köllmitzberg muss man sich merken.

Wir haben dann noch 150 Kilometer auf herrlichen österreichischen Straßen. Zunächst geht es an der Donau entlang nach Linz – ziemlich flott, weil Matthieu mit dem Navi vorausfährt. Wir durchqueren als nächstes Wels, wo bereits Schärding ausgeschildert ist. Dort steuern wir im Zentrum ein gemütliches Kaffeehaus an. Nach dieser letzten gemeinsamen Besprechung trennen sich unsere Wege. Matthieu durchquert Süddeutschland zu einem weiteren Zwischenstopp in Memmingen, Ernst und Wilfried steuern auf dem schnellsten Weg ins Taubertal.

Wieder geht eine ereignisreiche Motorradreise zu Ende. Es waren dann mit 4.900 Kilometer etwa 15 % mehr als geplant – eine Schleife hier und da, eine kleine „Ehrenrunde“ hier und da läppern sich dann doch zusammen. Immerhin noch besser als jeder öffentliche Bau.

Wir haben bewusst die Hauptstädte als Etappenziel ausgewählt. Das ist zwar reizvoll, aber führte zu den etwas längeren Tagesstrecken. Außerdem haben wir uns bis dahin unbekannte Orte besucht – der Zeitverlust rein in die Stadt und raus aus der Stadt ist verkraftbar. Alles in allem war es eine schöne Tour durch acht Länder – bei Matthieu kamen auch noch Frankreich und Italien dazu. 

Wir haben doch einiges aufschnappen können von den einzelnen Ländern. Die Straßen waren eindeutig in Österreich die besten. Ungarn schneidet hier am schlechtesten ab mit durchweg verformten Fahrbahnen – reicht von Wellen bis Schlaglöcher. Bei der Bevölkerung fanden wir Bulgarien vorneliegend. Man merkt, dass sich hier ein Volk bemüht, aufzuholen – es scheint: da geht was. Serbien ist unserer Meinung nach am unfreundlichsten – auch wegen den Straßenschildern, die oft nur in unverständlichen Schriftzeichen ausgeführt sind. Wir haben uns da auch ein paar Mal verfranzt. Bulgarien ist generell zweisprachig ausgeschildert. In den Fußgängerzonen hatten wir auch Gelegenheit, das eine oder andere Auge auf die flanierenden Damen zu werfen. Hier sehen wir Kroatien im Vorteil gegenüber den anderen Ländern – Deutschland und Frankreich sind hier aus der Wertung, weil die anderen dann keine Chance haben. Ob die angegebenen Bierpreise wichtig sind für eine Reiseplanung, muss jeder selbst entscheiden – wir meinen nein. Wir haben immer auf einheimisches Bier bestanden und nach einem anstrengenden Reisetag ( Temperaturen ) waren alle ein kühler Genuss. 

Die Stimmung war sehr gut -man muss immer ein wenig flexibel sein. Deswegen haben wir in unseren Tagesberichten den einen oder anderen Scherz eingebaut – jetzt können wir es ja zugeben. Ob wir das mit den Reiseberichten nochmals machen? – hängt von den Rückmeldungen ab. Es ist ja schließlich jedes Mal eine gewisse Sauarbeit nach Feierabend – und uns zum Affen machen, wollen wir schließlich auch nicht. 

Wie es mit uns weitergeht, wissen wir heute noch nicht. Solange wir ein passendes Ziel finden und den Schwung aufbringen, fahren wir weiter Motorrad. So long, wir melden uns.

 

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